Ihr gibt uns Geld und wir lassen Yasuni in Ruhe

Verschmutze Flüsse, undichte Rohre und Zerstörung der Artenvielfalt. Eine unter den Auswirkungen der Ölförderung leidenden und protestierenden indigenen Bevölkerung. Daneben der  Druck, durch das Erdöl Wohlstand in eines der ärmsten Länder Südamerikas bringen zu können. Nach 50 Jahren Erdölförderung stellte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa 2007 eine gewagte Forderung: Gibt ihr uns ein Teil dessen, was wir mit der Ölförderung erwirtschaftet hätten, lassen wir den Nationalpark Yasuni unberührt. Doch die Weltgemeinschaft schaut weg.

Rainforest

Der Yasuni Nationalpark im Norden Ecuadors besitzt einer der größten Artenvielfalten der Erde. Auf fast 10.000 Quadratmetern tummeln sich im von der UNESCO deklarierten Bioreservat die seltensten Insekten und Tierarten. Neben verschiedenen indigenen Stämmen leben in diesem Gebiet sogar noch zwei freiwillig isoliert lebende Völker: die Taromenane und die Tagaeri. Im Nationalpark gibt es mehr einheimischen Baumarten als in Kanada und den USA zusammen. Aber eben auch Erdöl. Und zwar eine ganze Menge.

correa

2007 äußerte Präsident Rafael Correa den Vorsatz die ITT Zone des Nationalsparks, benannt durch die Ölquellen Ishpingo, Tambococha und Tiputini, unberührt zu lassen. Als Gegenleistung sollte die Weltgemeinschaft 50 % dessen zahlen, was Ecuador mit der Erdölförderung verdient erwirtschaftet hätte, insgesamt 335 Millionen Dollar. Die Vereinten Nationen richteten hierfür einen Treuhandfond ein. Viele Länder und Einzelpersonen folgten dem Hilferuf des Präsidenten und spendeten für die Erhaltung des Bioreservat. Michael Gorbatschow, Prinz Charles oder Danielle Mitterrand zahlten genauso wie beispielsweise die Schweiz, Kanada und Kalifornien. Dirk Niebel dagegen, der frühere Entwicklungsminister Deutschlands, lehnte die Yasuni ITT Initiative dagegen entschieden ab. „Ich richte auch kein Fond als Belohnung dafür ein, dass vor Somalia keine Schiffe mehr von Piraten überfallen werden“ schrieb er in der Tageszeitung. Sein Vorgehen wurde damals stark kritisiert, schließlich erfülle Deutschland auch eine Signalrolle innerhalb Europas.

Schätzungsweise liegen im Block ITT des Yasuni Nationalparks 846 Barell Erdöl, gerade mal soviel, um die Weltnachfrage an Erdöl für 10 Tage zu decken.

 

Knapp sechs Jahre später, im August 2013, tritt Rafael Correa vor die Kameras und erklärt die Initiative Yasuni für offiziell gescheitert: „die Welt hat uns im Stich gelassen“. Die knapp 13,3 Millionen von insgesamt geforderten 335 Millionen Dollar werden nun an die Geldgeber zurückgezahlt, die Erdölförderung im Nationalpark weitergeführt. Zumindest unter Auflagen, so verspricht es die Regierung. Damit bricht sie das Versprechen, das Rafael  Correa zu seinem Amtsantritt in die Verfassung aufgenommen hat, das Verbot von Erdölförderung in Schutzgebieten der indigenen Bevölkerung. Doch während die Regierung den Verkauf der Förderblöcken im Yasuni Nationalpark wieder begonnen hat, hören diese nicht auf gegen die Zerstörung ihres Lebensraum zu protestieren. Eine Folgeinitiative ist schon auf dem Weg.

 

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ES GIBT GENUG INITIATIVEN, DIE SICH GEGEN DIE ÖLFÖRDERUNG AUSSPRECHEN:

z.B Pacha Mama

Oder die Academica Amazonica unter Indio Hilfe e.V.

 

 

Foto Präsident Rafael Correa: © Agência Brasil