Der Regenwald-Campus

Seit zehn Jahren hat sich Yuvints stark gewandelt: Eine Wasserpumpe versorgt die Gemeinde heute mit Strom. Knapp acht Stunden Fußmarsch tief im ecuadorianischen Regenwald gibt es jetzt Internet, eine Schule und eine Holzhütte voller Nähmaschinen. Entlang Palmen und Papayabäume führt ein schick-angelegter Weg zu einer gewaltigen Holzhütte mit Gastzimmern und fließendem Wasser, der Academia Amazonica. Seit dem kommen immer wieder Studenten, Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Holger Gemeinde. Hier lernen die europäischen Gäste das Leben der Indigenen kennen. Und  andersrum.

Der gegenseitige Erfahrungsaustausch trägt heute den Namen Amazonica. Es ist eine Uni, ein Museum indigener Kunst und Kultur und ein Zuhause. 2002 eröffnete das Zentrum. Seit dem können Gäste das Leben der Ashuar kennenlernen. Vice verca bedeutet das Gästehaus für die Familien rund um den Bambusbau eine lohende Einkommensquelle. Gemeinsam mit Studenten und Dozenten aus Deutschland entwickeln die Dorfbewohner alternative Energiequellen, verbessern die Infrastruktur und das Gemeindeleben, bauen Schulen und arbeiten an einer flächendeckenden Gesundheitsvorsorge.

Entwickelt wurde das Ökotourismus- Projekt von der Initiative Indio Hilfe e.V. Die erste Vorsitzende Mascha Kauka ist auch bekannt als die Frau von Rolf Kauka, dem Erfinder der Fix und Foxi Hefte. Sie wirbt neben ihrer Arbeit als Verlegerin seit Jahren für den Schutz des Regenwaldes. Ein Förderkreises finanzierte das 1,3 Millionen schwere Projekt. Leiter der „Regenwald-Uni“ ist heute Uyunkar Domingo Peas, der Stammesführer der Ashuar.

 

Wie ein Spiegel sei das Projekt, durch den die Bewohner Yuvints die eigene Tradition nicht nur stärker sehen lernten, sondern auch mehr wertschätzen konnten. Das Vertrauen in die eigene Tradition hätten sie verloren. So beschreibt es Holger. Gemeinsam mit seiner Familie baute er vor mehr als zehn Jahren die Regenwald Akademie mit auf, wirbt in Ecuador und darüber hinaus für die Initiative und führt die Studenten in regelmäßiger Abständen zu seiner selbst entwickelten Wasserpumpe, die Abschlussarbeit seiner Elektronik Studiums. Und in zehn Jahren? Das Wichtigste sei, dass das Wissen der Regenwald Universität nicht verloren geht, sondern an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Nicht nur, weil es die Gemeinde stärker und unabhängig von staatlichen Einflüssen macht, sondern weil für ihn der Wald Dinge lehrt, die man in keiner Schule oder Universität lernen kann: das Wissen eines guten Lebens im Einklang mit der Natur.

 

 

 

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